Die geheimen Berichte der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit an die Partei- und Staatsführung der DDR sind eine zeitgeschichtliche Quelle von hohem Wert.

Sie wurden von 1953 bis 1989 angefertigt und offenbaren den spezifischen Blick der Stasi auf die DDR: Informationen über Wirtschaft und Versorgung sind dort ebenso zu finden wie Hinweise auf vermeintlich oppositionelles Verhalten sowie Statistiken zum Devisenumtausch oder zu Flucht und Ausreise.

Das Jahr 1977 war bestimmt vom repressiven kulturpolitischen Kurs der SED nach der Biermann-Ausbürgerung. Zahlreiche Künstler, unter ihnen der populäre Schauspieler Manfred Krug, verließen die DDR. Zugleich machten sich die innenpolitischen Folgen der Entspannungspolitik verstärkt bemerkbar: Viele DDR-Bürger stellten unter Berufung auf die KSZE-Schlussakte oder die Charta der UNO Ausreiseanträge. Unzufriedenheit herrschte auch aufgrund der schlechten Versorgungslage, mit einem Höhepunkt im Sommer während der „Kaffee-Krise“: Die Bevölkerung machte ihrem Unmut über den Wegfall günstiger Kaffeesorten und die Einführung von minderwertigem Ersatzkaffee Luft. Die Staatssicherheit registrierte diese kleineren und größeren Verwerfungen sehr genau und berichtete der SED-Führung regelmäßig darüber. Die in dem Band versammelten Dokumente bieten daher einen hervorragenden Einblick in Herrschaft und Gesellschaft der DDR im Jahr 1977.

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